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Ein Abend voller Klang, Geschichten und Herzlichkeit

Ein besonderer Abend erwartete die Gäste am 26. Juli im Seniorenzentrum Haus Raphael der Keppler-Stiftung in Oberndorf am Neckar: Eine musikalisch-literarische Lesung mit der Autorin Gabriele Günter und der Musikerin Sandra Linsenmayer, die Literatur, Gesang und persönliche Einblicke zu einem unvergesslichen Erlebnis verband. Besonders erfreulich für die Autorin war das der Anteil männlicher Besucher so hoch war – normalerweise verirren sich ein oder zwei Herren in den Abend, diesmal war das Publikum erfreulich ausgeglichen.
Ein herzlicher Dank gilt dem Haus Raphael für die wunderbare Bewirtung und den einladenden Garten, der dem Abend einen ganz besonderen Rahmen gab.

Chanson, Liebe und das Leben dahinter
Der Abend begann mit dem Klang französischer Chansons – getragen von der beeindruckenden Stimme Sandra Linsenmayers. Das Thema, das sich wie ein roter Faden durch den gesamten Abend ziehen sollte, war die Liebe – in all ihren Facetten, auf der ganzen Welt zu Hause.
Doch die Liebe, die in den Büchern von Gabriele Günter vorkommt, ist keine rosarote Märchenliebe. Es ist die schwierige Liebe – jene, die hinter den Fassaden des Alltags verborgen liegt. Denn so oft wird gefragt „Wie geht's?" und geantwortet „Gut." – doch die Bücher von Gabriele Günter wagen einen ehrlichen Blick dahinter.
Wie es zum Schreiben kam – eine Silvesterstory
Die Entstehungsgeschichte ihres ersten Buches ist selbst eine Geschichte wert: Jedes Jahr zu Silvester werden in ihrer Familie Vorsätze gefasst. Eines Jahres hatte sie sich bewusst nichts vorgenommen. Als alle anderen ihre Vorsätze nannten, kam ihr der Gedanke: „Ich könnte doch ein Buch schreiben." Laut gesagt hat sie es nicht. Sie kündigte lediglich an, sich etwas vorzunehmen – und ob es geklappt hat, werde sie im nächsten Jahr verraten.
Was dann folgte: Sie saß vor einem weißen Blatt Papier, wusste nur sie wollte keinen Krimi schreiben, und entschied sich, einfach anzufangen. Von Silvester bis Silvester schrieb sie – und änderte Namen und Alter der Figuren. Das Ergebnis: Ein Buch, in dem jedes Paar sein eigenes Kapitel hat.

Sandra Linsenmayer und das zweite Lied – „So weit, weit weg"
Das zweite Lied des Abends war „So weit, weit weg" – ein schwäbisches Lied, das eigens für Sandra Linsenmayer geschrieben wurde und von zwei Liebenden erzählt.
Dazu erzählte Gabriele Günter, wie sie Sandra Linsenmayer kennengelernt hat: Bei einer Lesung saßen sie nebeneinander am Tisch. Sie wusste, dass sie Sandra irgendwoher kannte. Beim zweiten Treffen unterhielten sie sich ausgiebig, und schließlich besuchte Gabriele ein Konzert von Sandra – denn Sandra Linsenmayer singt in mehreren Formationen. Nach zwei oder drei schlaflosen Nächten dachte sich Gabriele Günter: „Mehr als Nein sagen kann sie nicht." Sie fragte – und Sandra sagte sofort Ja.
Griechenland, Kreta und die Hexe von Santorin
Mit dem dritten Lied – „Griechischer Wein" – öffnete sich der dritte Teil des Abends. Auch im Buch landet eine Figur in Griechenland, genauer: auf Kreta – dem Lieblingsreiseziel von Gabriele Günter. Selbst war sie oft in Griechenland, Kreta jedoch lernte sie erst durch ihren Mann kennen. Seitdem fahren die beiden alle zwei Jahre dorthin – in vier Wochen steht die nächste Reise an. Kreta verraten wollte sie eigentlich nicht, doch: Es gibt dort ein Limit an Bebauung, wodurch die Besucherzahl natürlich begrenzt bleibt.
In der zweiten Hälfte des Abends, als es langsam dunkler wurde, sprach Gabriele Günter über eines ihrer Gedichte, das sie für ihren Mann geschrieben hat: „Die Hexe von Santorin". Eine charmant-liebevolle Geschichte über ihre Schwäche für Silberschmuck – mehrmals blieb sie vor Schmuckgeschäften stehen, betrachtete erst die Ohrringe, dann die Aussicht, dann den nächsten Ring. Irgendwann hat er es gemerkt. Und dann – auf einer Brücke – kamen plötzlich Esel. Die Erkenntnis folgte auf dem Fuß: Die Kreuzfahrtschiffe spucken ihre Passagiere aus, und die Esel bringen sie die 600 Treppenstufen hinauf. Genau diese Esel sind auch Thema einer Kurzgeschichte aus dem Buch.
Das zweite Buch – weil die Leser es wollten
Eigentlich war nach dem ersten Buch alles gesagt. Doch dann kamen die Leserzuschriften: Was passiert weiter? So ließ Gabriele Günter sich überreden, setzte sich erneut vor das weiße Papier – und ließ sich diesmal vom Klang der Glocken
Das Lied „Nur nicht aus Liebe weinen", gesungen von Sandra Lindenmayer, gehörte noch Susann. Direkt darauf folgte, ganz ohne Pause: „Marina" – ein schwungvoller Abschluss des musikalischen Teils.

Fragerunde und herzlicher Abschluss
In der anschließenden Fragerunde interessierte sich das Publikum unter anderem für die musikalischen Formationen von Sandra Linsenmayer – Flyer lagen bereit.
Den Abend beschloss Frau Jaburg mit warmherzigen Worten – mit Dank an Gabriele Günter und Sandra Linsenmayer, an die Gäste und ganz besonders an das Haus Raphael für die herzliche Gastfreundschaft und den wunderschönen Garten.
Ein Abend, der nachdenklich machte, berührte – und trotzdem mit einem Lächeln nach Hause entließ.

Verfasst von Anna-Maria Altmann